Werbungskostenabzug der Facharztausbildung

Im Folgenden verwenden wir der Einfachheit halber den Begriff „Arzt“, hiermit sind jedoch männliche wie auch weibliche Berufsträger/innen angesprochen. Wir hoffen sehr, dass dies auf Ihre Zustimmung stößt und bitten um Ihr Verständnis.

Insbesondere bei der Berufsgruppe der Ärzte tauchen im Zusammenhang mit der Deklaration von Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben für die Facharztausbildung häufig Fragen und Unsicherheiten auf. Hierbei bestehen sowohl bei der Einteilung der Aufwendungen in Werbungskosten, Sonderausgaben oder Betriebsausgaben Unsicherheiten wie auch bei der Frage, welche Kosten in der jährlichen Steuererklärung beim Finanzamt deklariert werden können und welche Aufwendungen nicht angesetzt werden können.

Grundsätzlich gilt in Deutschland bei der Behandlung von Patienten der Facharztstandart. Der Erwerb des Facharzttitels ist aktuell außerdem eine Voraussetzung für die Zulassung als Vertragsarzt der gesetzlichen Krankenkassen. Es gibt zwar immer wieder Bestrebungen Änderungen an diesem Standard herbeizuführen, dies wurde bisher jedoch noch nicht umgesetzt und wird wohl auch in naher Zukunft nicht umgesetzt werden. Die Zulassung als Facharzt setzt eine mehrjährige Weiterbildung sowie das erfolgreiche Ablegen der Facharztprüfung bei einer Landesärztekammer voraus.

Die Facharztausbildung kann hierbei sowohl für die Allgemeinmedizin wie auch in klinischen Fächern erfolgen. Hierbei sind insbesondere die Fächer Anästhesiologie, Chirurgie, Innere Medizin, Gynäkologie, Kinderheilkunde (Pädiatrie), Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie, Klinische Pharmakologie, Kund-Kiefer-Gesichtschirurgie (zusätzliche Approbation als Zahnarzt benötigt), Notfallmedizin, Neurochirurgie, Neurologie, Nuklearmedizin, Orthopädie, Radiologie, Psychiatrie, Orthopädie, Psychosomatische Medizin, Psychotherapie, Neurochirurgie, und Rechtsmedizin.

Zuordnung Facharztausbildung zu Einkünften

Da es sich beim Facharzt niemals um eine Erstausbildung handeln kann, kommt ein Sonderausgabenabzug gem. § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG nicht in Frage. Als Sonderausgaben kann nur eine tatsächliche erste Ausbildung bzw. ein Erststudium angesehen werden. Jedes weitere Studium wird hingegen steuerlich als Weiterbildung qualifiziert. Hierzu zählen neben der Facharztausbildung auch Master-Studiengänge, die auf einem Bachelor-Studium folgen.

Es handelt sich bei der Facharztausbildung daher um Weiterbildungskosten, welche als Werbungskosten gem. § 9 Abs. 1 S. EStG bzw. als Betriebsausgaben gem. § 4 Abs. 4 EStG abzugsfähig sind. Hierbei muss eine berufliche bzw. betriebliche Veranlassung bestehen. Die Frage ist also: aus welchem Grund wurde die Weiterbildung angestrebt? Verbergen sich hier private Gründe? Dies ist bei einer Facharztausbildung regelmäßig zu verneinen.

Anders ist es bei einem Arzt, der die Kosten eines Theologiestudiums als Werbungskosten deklarieren möchte. Der Arzt hat hierbei zur Patientenbetreuung auch Seelsorge anbieten wollen, insofern hat er einen Zusammenhang zu seinen Einnahmen als Arzt gesehen. Das FG Rheinland-Pfalz hat mit Urteil vom 22.09.2010, BStBl 2010 I S. 721 jedoch geurteilt, dass bei dem Theologiestudium die Seelsorge nur eine untergeordnete Bedeutung besitzt und die Interessen der übrigen Studenten sich von den Interessen des Arztes sehr unterscheiden würden. Daher mangelte es wohl an objektiv feststellbaren, hinreichend konkreten Zusammenhängen der Aufwendungen für die ärztliche Tätigkeit.

Als letzten Punkt möchte ich die Kosten für ein Psychologiestudium nennen. Diese geltend in der Regel bei einem Arzt als beruflich veranlasste Weiterbildungskosten.

Sind die Kosten als Werbungskosten oder (vorweggenommene) Betriebsausgaben zu qualifizieren, können Aufwendungen in unbegrenzter Höhe angesetzt werden. Ein Höchstbetrag bwz. eine Kostendeckelung existiert nicht. Grundsätzlich gilt hierbei das Zu- bzw. Abflussprinzip des § 11 EStG, d. h. die Kosten sind im Jahr der tatsächlichen Zahlung steuermindernd zu berücksichtigen. Übersteigen die geltend gemachten Kosten die Einnahmen in diesem Jahr, wird der Verlust im Wege der Verlustfeststellung durch das Finanzamt auf die Folgejahre vorgetragen. Der Verlust wirkt sich also im Folgejahr steuerlich aus, übersteigen auch hier die Werbungskosten oder (vorweggenommenen) Betriebsausgaben die Einnahmen, wird der Verlust wiederrum auf das nächste Jahr vorgetragen. Somit wird sichergestellt, dass keine Kosten verloren gehen. Dies ist der große Vorteil im Vergleich zum Erststudium, denn Sonderausgaben sind nur im Jahr des tatsächlichen Abflusses steuerlich wirksam, ein Vortrag ist nicht möglich.

Abzugsfähige Kosten der Facharztausbildung

In der Beratungsstelle des Lohnsteuerhilfevereins in München haben wir sehr häufig Beratungen von Ärzten, die sich in Facharztausbildung befinden. Im Folgenden haben wir Ihnen die häufigsten Fragen zusammengetragen:

Welche Kosten sind abzugsfähige Aufwendungen und was kann nicht geltend gemacht werden. ?

Und wie muss ich diese belegen, genügen Quittungen ohne Anschrift?

Genügen Rechnungen oder muss ich Kontoauszüge vorlegen um den tatsächlichen Zahlungsfluss zu dokumentieren?

Kann ich bei fehlenden Rechnungen bzw. Quittungen auch Pauschalen ansetzen?

Welche steuerlichen Pauschalen sind zulässig und was gilt als Steuerhinterziehung bzw. leichtfertige Steuerverkürzung?

Und was, wenn ich nicht alles selbst gezahlt habe?

Welche Konsequenz haben nicht mehr nachvollziehbare Ausgaben? Können Ausgaben auch geschätzt werden?

Oder ich einen Zuschuss von privater Seite (Eltern, Großeltern) respektive vom Arbeitgeber erhalten habe?

Wie sind Ausgaben zu behandeln, die nicht ich sondern meine Ehemann bzw. meine Ehefrau getragen haben?

Wenn Ausgaben teilweise für die Facharztausbildung, jedoch auch teilweise für private Zwecke erfolgten (gemischt genutztes Notebook, Telefon, etc.) können diese ebenfalls deklariert werden?

Welche Konsequenz haben Rechnungen, die ich selbst stelle (z.B. als Gutachter)? Bin ich hierdurch tatsächlich Unternehmer oder gibt es hierfür Geringfügigkeitsgrenzen? Und wie sind dann die Kosten aufzuteilen?

Die fachlich korrekte Beantwortung dieser Fragen sprängt leider den Rahmen unserer Infothek, da an jeder dieser Fragen persönliche Besonderheiten gekoppelt sind. Die korrekte Antwort einer Frage bei Steuerpflichtigem A kann bei Steuerpflichtigem B völlig anders lauten, da jeder Lebenssachverhalt anders ist. Hierfür ist eine persönliche und vor allem ausführliche und kompetente Beratung durch einen Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein unumgänglich. Hintergrund ist der, dass Sie in der Einkommensteuererklärung bzw. im Einspruchswege (verlängerte Veranlagung) alle Kosten geltend machen müssen. Einspruch muss jedoch innerhalb eines Monats nach Zugang des Steuerbescheides beim korrekten Finanzamt eingelegt werden. Dies ist eine Ausschlussfirst, Wiedereinsetzung ist nur in Ausnahmefällen durch das Finanzamt möglich.

Nach Ablauf der Einspruchsfrist ist der Steuerbescheid grundsätzlich nicht mehr so einfach zu ändern.

Zur Korrektur wäre ein Vorbehalt der Nachprüfung bzw. eine Korrekturvorschrift notwendig. Als Korrekturvorschrift würde evtl. § 173 AO, Korrektur aufgrund neuer Tatsachen, greifen. Eine neue Tatsache im Sinne der AO würde jedoch nur greifen, wenn Sie kein Verschulden trifft. Haben Sie jedoch aus Unwissenheit Kosten (noch) nicht geltend gemacht (evtl. weil Sie diese im Folgejahr deklarieren wollten) würde dies nicht greifen. Somit würden sich tatsächlich unbestritten angefallene Kosten nicht auswirken.

Grundsätzlich gilt, eine professionelle Beratung lohnt sich immer dann, wenn Sie Einnahmen versteuern hatten und gleichzeitig hohe Kosten getragen haben. Oder wenn Sie bei der Deklaration unsicher sind, insbesondere bei den Einnahmen mit Rechnungstellung (z.B. als Gutachter).

 

Wir erstellen Ihre Steuererklärung, prüfen Ihren Einkommenssteuerbescheid und vertreten Ihre Interessen bei Finanzamt.

Kontakt

ABER KLAR! e.V. Lohnsteuerhilfeverein

Beratungsstellenleitung

Tatjana Albert, Steuerberaterin

Theatinerstraße 31, 80333 München

 

Termine nur nach telefonischer Vereinbarung

Telefon: 089 23542433