Fortbildungskosten im Einkommensteuerrecht

1. Wann liegen Sonderausgaben vor bzw. wann liegen Werbungskosten / Betriebsausgaben vor?

Kosten für die erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium sind nicht als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abzugsfähig. Vielmehr sind sie lediglich unter den Voraussetzungen des § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG als Sonderausgaben bis zum Höchstbetrag von 4.000 € je Veranlagungsjahr abzugsfähig. Der Höchstbetrag gilt je Steuerpflichtigem und erhöht sich nicht bei Zusammenveranlagung für den einzelnen Ehegatten.

Handelt es sich nicht um eine erstmalige Berufsausbildung bzw. ein Erststudium, sind Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben anzusetzten.

Kosten für eine allgemein bildende Schule sind immer Ausbildungskosten. Ausbildungskosten welche Eltern für die Ausbildung ihrer Kinder aufwenden, sind unter Umständen als Schulgeldzahlungen zu berücksichtigen.

Liegen Werbungskosten oder Betriebsausgaben vor, können auch höhere Kosten deklariert werden. Ein evtl. entstandener Verlust kann durch das Finanzamt festgestellt und in künftige Jahre vorgetragen werden.

2. Welche Kosten können geltend gemacht werden?

Die häufigsten Kosten im Rahmen von beruflichen Weiterbildungen bilden zweifelsfrei die Kursgebühren. Werden die Kursgebühren vom Arbeitgeber übernommen, liegen beim Arbeitnehmer keine abzugsfähigen Kosten vor. Alle anderen Ausgaben im Zusammenhang mit der Weiterbildung können jedoch dennoch deklariert werden.

Übernimmt der Arbeitgeber die Kursgebühren, ist dies für den Arbeitnehmer steuer- und sozialversicherungsfrei. Allerdings nur, wenn die Weiterbildung im überwiegenden beruflichen Interesse durchgeführt wurde. Werden allgemeinbildende Weiterbildungen (z.B. VWA-Studium) übernommen, liegt Arbeitslohn vor. Folge: steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Kriterien für die ein überwiegend betriebliches Interesse des Arbeitgebers sind insbesondere:

  • Weiterbildung wird (zumindest teilweise) innerhalb der Arbeitszeit durchgeführt
  • Weiterbildung ist im Arbeitsvertrag vorgeschrieben.

Nebenkosten der Fortbildung

Weiter können Fahrtkosten und Verpflegungsmehraufwendungen im Zusammenhang mit der Weiterbildung angesetzt werden.

Verpflegungsmehraufwendungen sind nur nach den gesetzlichen Pauschalen geltend zum machen. Hierbei muss der Arbeitnehmer über einen bestimmten Zeitraum beruflich bedingt außer Haus sein. Die Pauschalen der Verpflegungsmehraufwendungen bis einschließlich Veranlagungszeitraum 2013 betragen:

mind. 8 bis weniger 14 Std  ===>  6 €

mind. 14 bis weniger 24 Std.   ===> 12 €

über 24 Std. ===> 24 €

 

Seit dem dem Jahr 2014 gelten neue Sätze für die Verpflegungsmehraufwendungen. Diese Sätze sind:

über 14 Std außer Haus  ===>  12 €

über 14 Std. außer Haus  ===> 24 €

Fallen auswärtige Übernachtungen an, sind die Kosten hierfür ebenfalls als Werbungskosten oder Betriebsausgaben zu deklarieren.

Außerdem können Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer anfallen.

Kosten für die Einrichtung des Arbeitszimmers sind auch berücksichtigungsfähig, wenn das Arbeitszimmer nicht anerkannt wurde und insbesondere neben dem Höchstbetrag von 1.250 €.

Weiterhin sind notwendige Kosten für Telefon, Büromaterial und Porto zu deklarieren sowie Arbeitsmittel, welche mit der Weiterbildung in Zusammenhang stehen. Unter Arbeitsmittel ist insbesondere folgendes zu verstehen:

  • Notebook, Bildschirm, Drucker, Scanner, etc.
  • Werkzeuge

Betrugen die Anschaffungskosten für die einzelnen Arbeitsmittel ausschließlich Umsatzsteuer mehr wie 410 €, sind die Kosten auf die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer zu verteilen.

Beispiel:

Notebook kostet 750 € netto und wurde am 15.4.2011 gekauft. Der Arbeitnehmer musste hierfür brutto 892,50 € zahlen.

Da die Anschaffungskosten mit netto 750 € über 410 € liegen, ist das Notebook ab dem Jahr der Anschaffung auf 3 Jahre abzuschreiben:

892,50 € : 3 Jahre = 297,50 € pro Jahr Abschreibung

Für 2011 lag nur eine anteilige Nutzung von 9 Monaten vor, daher ist der Abschreibungsbetrag nochmals auf die tatsächlich genutzten Monate aufzuteilen.

Es ergeben sich daher folgende Abschreibungsbeträge:

Jahr 2011 von 223,13 €

Jahr 2012 von 297,50 €

Jahr 2013 von 297,50 €

Jahr 2014 von   74,38 €

Werden Arbeitsmittel auch privat genutzt, ist der private Anteil herauszurechnen.

Wir erstellen Ihre Steuererklärung, prüfen Ihren Einkommenssteuerbescheid und vertreten Ihre Interessen bei Finanzamt.

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Tatjana Albert, Steuerberaterin

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